Achtsamkeit in der Natur

Achtsamkeit trainieren in der Natur

In der Gruppe trainieren wir das Einnehmen einer achtsamen Haltung: die Kunst, geschehen zu lassen – im Hier und Jetzt, wach und absichtslos, offen und experimentell. Mit technisch einfachen, alltagsnahen Übungen praktizieren wir unterschiedliche Formen der Achtsamkeit: Fokussierte oder weite Achtsamkeit, innere, äussere oder relationale Achtsamkeit.

Am Beginn jeder Einheit steht ein kurzer Theorieblock im Innenraum. Das angeleitete praktische Üben findet in der Natur statt.

Voraussetzung zur Teilnahme
Ich bin neugierig, offen, mag den Aufenthalt in und die Begegnung mit der Natur. Ich bin körperlich in der Lage auf unebenem Naturboden in gemütlichem Tempo unterwegs zu sein und handle selbstverantwortlich.

Kursziel
Am Kursende bin ich unterwegs mit einem Rucksack voll Möglichkeiten zum Erreichen einer achtsamen Haltung. Mir steht eine breitere Palette an Reaktionsmöglichkeiten auf Ereignisse zur Verfügung. Ich kann vermehrt variieren zwischen aktivem Handeln und dem Einnehmen einer achtsamen Haltung. Auf einen Handlungsimpuls folgt weniger automatisch die Handlung. Ich kann meine Stimmungen vermehrt steuern und bin ihnen weniger stark ausgeliefert. Es gelingt mir besser, ruhige, Momente der Offenheit in meinen Alltag einzuflechten, innezuhalten, den Überblick zu bewahren und Situationen bewusst wahrzunehmen.

Allgemeine Informationen
Gruppengrösse: 5 – 12 Personen; Durchführung: ganzjährig/auf Anfrage; Kursort: Raum Brig, Visp, Susten oder Siders; Sprachen: dt, fr, en, it; Kosten: nach Aufwand (z.B. 8 x 2,5h, Ort: Susten/Pfynwald, Fr. 200.- pro Person).

Besonderheit
Wir bieten das Achtsamkeitstraining zur Stärkung der eigenen Resilienz nur als mehrteiligen Kurs an. Durch wiederholtes Üben, das Kennenlernen verschiedener Formen von Achtsamkeitspraxis und die Beantwortung von Fragen, die während der Kursdauer auftauchen, kann das Erlernte nachhaltig in den Alltag eingebettet werden: Durch die Praxis wächst das Verständnis. Durch das Verständnis wächst die Praxis.





Was ist Achtsamkeit?
Achtsamkeit ist die Kunst, in der Gegenwart und in wachem Kontakt mit meiner Umgebung und mit mir zu sein, ohne weitere Absichten zu verfolgen. Sie ist die Kunst, einfach nur da zu sein.

Achtsamkeit geschieht also:

  • bewusst
  • absichtslos
  • gegenwärtig
  • offen und experimentell
  • akzeptierend (geschehen lassend)

Wann ist die Haltung der Achtsamkeit angebracht?
Achtsamkeit ist dann eine adäquate Haltung, wenn wir eine Situation nicht verändern wollen oder nicht verändern können.

Warum Achtsamkeit trainieren?
Es ist hilfreich, ganz bewusst die Haltung der Achtsamkeit einzunehmen, weil uns dadurch in unserem Leben mehr gestalterische Freiheit geschenkt wird. Wir werden uns bewusst, was wir wann warum tun, und können unsere Entfaltung entsprechend einfacher und zielgerichteter unterstützen. Nicht zuletzt aber vermögen wir zunehmend bewusst, dem Sog unserer alltäglichen Denk und Handlungsgewohnheiten, eine energievolle und geduldige Übungspraxis und eine private wie gesellschaftliche Vision korrigierend und positiv integrierend zur Seite zu stellen.

Was streben wir mit dem Einüben unserer Achtsamen Haltung nicht an?

  • dass wir primär Wohlbefinden, Gesundheit und Glück erfahren können.
  • dass wir vor allem nach innen gerichtet sind.
  • dass wir auf jeden Fall Bewertung vermeiden sollen.
  • dass wir „das Nicht-Denken“ favorisieren wollen.

Achtsamkeit in der Natur
Zu unseren Achtsamkeitsübungen gehört es, wahrzunehmen, wie wir die Umwelt erleben, was sie in uns auslöst, wie sie auf uns wirkt, wie wir gerade ganz persönlich in der Natur sind. Es ist uns Menschen nicht möglich, die Natur unmittelbar zu erfahren, so „wie sie ist“. Unsere Wahrnehmungen sind von unseren Praktiken, kulturellen und persönlichen Deutungsmustern geprägt. Sie gestalten im Zusammenspiel mit der Umgebung das, was wir „Wahrnehmungen“ nennen.

Natur macht sinnlich, sie animiert zu Erkundungen, Gestaltungen, Begegnungen mit anderen Lebensformen, existenziellen Betrachtungen und spirituellen Erfahrungen.

Die Natur ist uns gleichzeitig fremd und verwandt. Sie fordert uns heraus und trägt uns, sie erhebt und verwurzelt uns, sie zeigt uns Grenzen und ungeahnte Möglichkeiten. Die Natur ermöglicht uns eine Distanz zu unserer vertrauten Welt und nimmt uns aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften in einer Welt in Empfang, in der wir Einfachheit, Leichtigkeit, Verbundenheit, Gelassenheit, Vertrauen, Dankbarkeit und Daseinsfreude erleben können.

Geschichte der Achtsamkeit
Der Buddhismus und die humanistische Tradition, deren Achtsamkeitsverständnis auf die Lebensreformbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts zurückgeht, ragen in der Geschichte der Achtsamkeit hervor, weil Achtsamkeit in diesen Traditionen als expliziter Übungsweg entwickelt wurde. Die neueren Achtsamkeitskonzepte, die vor allem in den letzten 30 Jahren entstanden sind, berufen sich primär auf asiatische – insbesondere buddhistische – Achtsamkeitstraditionen, die eine Tendenz zu innerer Achtsamkeit und manchmal auch zur Vergeistigung haben und mit festen und oft schwierigen Übungsvorgaben (längere, statische Übungen) arbeiten. Die achtsame Konfrontation mit unangenehmen Erfahrungen und mit der Abgründigkeit des Lebens (Meditationen über Vergänglichkeit, Verlust, Tod usw.) ist ein wesentlicher Beitrag des Buddhismus zum Konzept der Achtsamkeit. Die westlichen Achtsamkeitstraditionen – jüdisch-christliche Tradition, Gindler-Jacoby-Arbeit, Gesprächspsychotherapie, Tanztherapie, Gestalttherapie, Focusing, Konzentrative Bewegungstherapie und andere – verstehen sich eher als eine experimentelle Form des Kontakts mit Situationen, Dingen, Menschen und sich selbst. Sie gehen eher individuell und experimentell vor und bevorzugen bewegte körperfreundliche Vorgehensweisen. Was die Achtsamkeit betrifft, so lassen sich beide Traditionen unseres Erachtens in einem reichhaltigen, konsistenten und praktisch breit anwendbaren Achtsamkeitskonzept zusammenführen.

Die meisten dieser z.T. angepassten Textausschnitte stammen aus dem sehr empfehlenswerten Buch: „Achtsamkeit in der Natur“, Michael Huppertz & Verena Schatanek, 2. überarbeitete Auflage, Junfermann Verlag 2021